Ausmisten im Kopf

Ersetzen, weglassen, umbauen

Hast du die apokalyptischen Mindf***-Reiter bei dir selbst und deinem Umfeld gezählt? Wahrscheinlich nicht, denn sie kommen erstaunlich häufig angaloppiert. Und sie kommen schnell.

Auch wenn du sie nicht gezählt hast, hast du vielleicht drauf geachtet, was sie gefühlsmäßig mit dir machen.

 

 

Bei mir erzeugen die Phrasen der Apokalypse vor allem ein latentes Stressgefühl. Entweder Stess, weil noch so viel gemacht werden muss und ich mich im Grunde gar nicht in der Lage sehe, das alles zu bewältigen; oder Stress, weil ich offenbar keine klare Entscheidung getroffen habe. Sowas wie ›Hm, hätt ich nur gestern mal getankt. Ich wollt ja eigentlich heut noch einkaufen, aber jetzt ist es irgendwie schon so spät und ich muss doch vor der Mittagspause noch den Auftrag abgeben.‹

Gemerkt? Alle sechs apokalyptischen Mindfuck-Reiter in einem Gedanken. Ich bin gestresst, weil ich so viel zu tun hab; ich bin genervt, weil ich mich nicht auf ein Vorgehen festlege und ich mach mich auch noch selbst fertig, weil ich blöde Kartoffel nicht gestern schon getankt hab. Ist das geil? Nein.

 

 

Die Reiter der anderen

Und genauso ungeil ist es auch, wenn dein Umfeld dir die apokalyptischen Reiter um die Ohren haut. Erstens: Wir Menschen haben Spiegelneuronen. Wir können das nachempfinden, was andere fühlen; das betrifft sowohl den Stress der anderen als auch deren Unentschlossenheit. Zweitens: Ich habe so den Eindruck, dass viele Menschen von ihrem Stress und ihren To-dos erzählen, um sich ein bisschen besser und wichtiger zu fühlen – auf Kosten anderer. Stress ist zur Mode geworden. Und wenn uns jemand erzählt, was er noch alles machen muss, steigen wir da häufig genug drauf ein mit ›Ja, ich muss auch noch ...‹
Kannst du auch mal beobachten.

 

Ja, und jetzt kommt der Selbstversuch: Streiche die apokalyptischen Mindf***-Reiter aus deinem Wortschatz. Hint: Es wird nicht komplett klappen. Manchmal ist Aber genau das richtige Wort und manchmal muss man eben irgendwas tun.
Aber (hier passt‘s) versuch halt einfach mal, sie auf das wirklich notwendige, das wirklich passende Maß zu reduzieren. Dazu gibt's mehrere Möglichkeiten.

So wirst du die Reiter los

Du kannst die Apokalypse-Phrasen einfach ersetzen, du kannst sie streichen, du kannst deinen Satz umformulieren oder alles auseinandernehmen und neu zusammensetzen.

 

Beispiel 1:

-> Ich muss noch den Müll runterbringen.

Musst du das echt? Eher nicht. Zwingt dich ja keiner. Also:

-> Ich will noch den Müll runterbringen. (ersetzt)

Wozu überhaupt ein Hilfsverb verwenden? Geht auch so:

->Ich bringe (nachher noch) den Müll runter. (umformuliert)

 

Beispiel 2:

-> Ich mag eigentlich keinen Kamillentee.

Was heißt das? Magst du ihn – oder nicht?

-> Ich mag keinen Kamillentee. (gestrichen) Oder, falls du ihn doch magst: -> Ich mag Kamillentee.

 

Beispiel 3:

-> Ich wollt eigentlich noch einkaufen, aber ich hab keine Zeit.

Drei Reiter. Und jetzt?! Tipp: Wenn die apokalyptischen Mindf***-Reiter im Rudel auftauchen, sind harte Maßnahmen gefragt. Nimm den Gedanken auseinander und setz ihn neu zusammen.

-> Ich hab wenig Zeit. Und noch weniger Brot. Und Hunger. Also geh ich zügig einkaufen, ohne zu trödeln.

-> Ich hab kein Brot mehr und keine Zeit zum Einkaufen. Also ess ich heut was anderes und kaufe morgen ein.

-> Ich hatte mir vorgenommen einkaufen zu gehen und merke gerade, dass ich gar keine Lust darauf hab. Ich gehe jetzt trotzdem.

 

Deine nächste Aufgabe lautet jetzt: Nimm den Kampf gegen die Reiter auf. Versuch sie loszuwerden. Wie gesagt, es geht nicht bei allen. Probier's trotzdem – ich verspreche dir, dass es spannend wird.

 

 


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