Sprache & Bewusstsein | Intro

Die apokalyptischen Reiter

Es gibt da so ein Thema, das mich schon eine ganze Weile fasziniert. Als Arbeitstitel hab es mal Sprache und Bewusstsein getauft, auch wenn das den Kern der Sache nicht so richtig trifft. Es geht darum, wie unsere Sprache uns selbst und unser Umfeld beeinflusst. Und darum, wie wir durch die Sprache anderer beeinflusst werden. Klingt vielleicht erstmal speziell, ist es aber nicht – schließlich machen Sprache und Kommunikation einen riesigen Teil unseres Lebens aus. Zum Einstieg stell ich dir die sechs* apokalyptischen Reiter vor.

 

 

Sach ma, woran denkst du eigentlich bei dem Wort Sprache? Versuch es mal kurz für dich zu definieren.

 

Sprache sind die Lautäußerungen, die wir verwenden, um miteinander zu reden. Sprache ist die Art und Weise, wie wir uns ausdrücken. Welche Sprache wir sprechen entscheidet darüber, wer uns versteht und wer nicht. Mit Sprache können wir anderen das Gefühl geben, verstanden zu werden. Wir können trösten, wir können aufmuntern, wir können gemein sein, wir können andere niedermachen. Wir können Konflikte austragen oder Einigungen erzielen. Wir können einen Bund fürs Leben schließen oder jemandem das Herz brechen.

 

Alles in allem können wir mit ganz normaler alltäglicher Sprache ziemlich viel anstellen. Und heute fangen wir mal ganz klein an, mit der Sprache im Kopf; damit, was unsere Sprache mit uns selbst macht.

 

 

Worte im Kopf

Wir verwenden Sprache ganz selbstverständlich. Erst wenn es brenzlig wird, denken wir so richtig drüber nach, welche Worte wir verwenden und wie wir etwas ausdrücken; die Momente, wenn du überlegst, ob du jetzt wirklich fragen sollst, ob der andere den Müll schon rausgebracht hat. Jetzt lass uns mal kurz die Sprache vom Sprechen abkoppeln, denn Sprache beginnt schon bevor wir den Mund aufmachen oder irgendwas tippen. Sprache beginnt schon beim Denken.

 

Wie denkst du die ganzen Gedanken, die dir täglich durch den Kopf rasen? In Worten. Du kommst von der Arbeit und denkst dir ›Ach f***, ich muss ja noch den Müll runterbringen!‹ Du setzt dich ins Auto und denkst ›Hoffentlich ist nicht so viel Verkehr, ich bin ja eh schon spät dran.‹ Du hörst jemandem zu, wie er sich gerade über seinen Chef auskotzt und du denkst ›Hm, krass, wenn ich in der Situation wäre, würde ich ...‹ was auch immer tun.
Manche Gedanken denken wir Wort für Wort durch, andere bleiben halbfertig zwischen Eindruck und vollständigem Satz hängen. Beobachte das mal bei dir selbst. Hör dir selbst beim Denken zu. Glaubst du, du kannst den ganzen Tag deinem eigenen Gelaber lauschen, ohne dass es einen Einfluss auf dich hat? ;)

Mach dir doch mal den Spaß und versuch zu zählen, wie viele deiner Gedanken an einem durchschnittlichen Tag die Phrase ›Ich muss ...‹ beinhalten. Bei vielen dürfte das Weckerklingeln schon ein halbformuliertes, unwilliges ›Ich muss aufstehen‹ auslösen. Bis der Tag dann mit einem ›Ich muss jetzt ma schlafen, sonst komm ich morgen nicht raus‹ zu Ende geht.

 

 

Hinhören und wirken lassen

Jetzt kann man sagen ›Na und, sind doch meine eigenen Gedanken, geht doch keinen was an.‹ Jein. Erstens sprichst du einen Teil der Gedanken auch aus. Das kannst du testen, indem du genauer darauf hörst, was deine Mitmenschen so von sich geben. Zähl mal, wie oft du an einem durchschnittlichen Tag ›Ich muss ...‹ hörst (oder liest).

Zweitens machen deine Gedanken was mit deinem Bewusstsein. Ein ›Ich muss ...‹ im Kopf ist eine kleine To-do-Liste, die abgearbeitet werden will. Ein ›Ich wollte aber eigentlich noch ...‹ kommt direkt aus dem siebten Kreis der Kopfhölle: Das ist ein To-do, das du nicht angehst; eine Entscheidung, die du nicht klar triffst; etwas, das dich zerreißt. Klingt zu krass? Dann hör deinen Gedanken (und deinem Umfeld) ein paar Tage zu und versuch zu fühlen, was das mit dir macht. Dann reden wir nochmal drüber.

 

Achte für den Anfang auf die sechs* apokalyptischen Mindf***-Reiter:

  • müssen
    (ich muss, du musst, man muss, wir müssen ...)
  • Hilfsverben im Konjunktiv
    (wäre, hätte, sollte, könnte, müsste ...)
  • wollte
    (ich wollte noch, wolltest du nicht ...)
  • eigentlich
  • irgendwie
  • aber

Einfach nur hinhören und wirken lassen.


*Es gibt bestimmt noch mehr. Lass uns mal mit sechs starten.

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