Warum ich ein miserabler Blogger bin

5 Gründe, die mich vom Schreiben abhalten – und 5 (nicht neue) Erkenntnisse dazu

 

 

Applaus, Applaus: Das ist der zwölfte Blogeintrag in vier Jahren. Also drei Blogeinträge pro Jahr, 0,25 Blogeinträge pro Monat, auf die Woche wollen wir das gar nicht runterrechnen, oder?

 

Warum kriegt jemand, der hauptberuflich schreibt, es nicht gebacken, seinen eigenen Blog (und die Website und die Social Media-Kanäle ...) halbwegs auf dem neuesten Stand zu halten? Wirklich, ich würd gern mehr für mich selbst schreiben. Mal für mich selbst gute Inhalte erstellen. Eigentlich hab ich da richtig Bock drauf. Eigentlich.

Also warum tue ich's nicht? Mir fallen da eine ganze Reihe von Gründen ein.

 

 

1. Keine Zeit. Es gibt tausend Dinge, die immer genau jetzt gerade wichtiger sind. Klar.

 

2. Perfektionsanspruch. Einfach ma was schreiben. Geht nicht. Es muss perfekt sein. Sprache perfekt, Bild zumindest gut, Formatierung und Schnickschnack einheitlich. Also besser noch ne Woche aufschieben, bis mehr Ruhe ist. (= passiert nicht, siehe Punkt 1) Vielleicht sollte ich auch nicht einfach nur einen Artikel schreiben, sondern besser gleich die ganze Website neu gestalten? Klar, tolle Idee. Also dann nächste Woche. Oder nie.

 

3. Texterproblem. Für andere Berufsgruppen ist mal so nebenher nen Blog schreiben vielleicht(?) einfacher – denn für die ist ein selbst geschriebener Blog ja auch nicht gleich ein Aushängeschild für ihre Arbeit, ihre Fähigkeiten, ihre Kompetenzen. Ein Tippfehler im Blog und schon geht die Welt unter. Ganz bestimmt.

 

4. Selbstdarstellung für Introvertierte. Menschen sind verschieden. Zum Beispiel extravertiert und introvertiert. Ich bin definitiv introvertiert, wäre am liebsten unsichtbar und laufe schreiend weg, wenn jemand ne Kamera auspackt. Ein Wunder, dass ich ne eigene Website hab. Mich selbst irgendwie präsentieren? Is wie Zombie-Apokalypse.

 

5. Wen interessiert das? Es ist nicht so, dass ich nix zu erzählen hätte. Ich liebe meinen Job und könnte stundenlang über irgendwelche Feinheiten erzählen. Aber mir stellt sich dann doch immer wieder die Frage, wen diese Feinheiten eigentlich interessieren. Im Grunde bin ich davon überzeugt, dass es irgendwen interessiert – schließlich gibt es im Internet tausend Dinge, die viel merkwürdiger sind, und auch ihre Anhänger finden.

Soweit erstmal der Status quo. Und nun? Na, ich nehme mir zum hundertsten Mal vor, daran was zu ändern. Durch Corona habe ich gerade verdächtig viel Zeit – und mir sind ein paar Dinge klarer denn je. Noch ne Liste gefällig?

 

 

1. Meine Blogeinträge (und Social Media-Beiträge und alles andere auch) müssen nicht perfekt sein. Sie sind auch kein Aushängeschild für meine Arbeit. Meine Arbeit sind die Dinge, für die ich bezahlt werde. Da geb ich mein Bestes und halte mich an die Vorgaben meiner Klienten. Alles andere ist nicht meine Arbeit, das bin einfach ich.

 

2. Selbstdarstellung wird nie meine Wohlfühlzone werden. Also werde ich auch zukünftig nicht vor der Kamera posieren. Muss ich aber auch nicht. Hinter der Kamera ist es eh schöner.

 

3. Ich hab ja immer Angst, Dinge nicht gut genug und nicht richtig zu machen. Und wenn ich mich hier, netzöffentlich, zeige, hör ich im Hinterkopf meine Oma murmeln: »Was sollen denn die Leute denken?« Ähm, warte, is mir egal, was die Leute denken. Ich kann es nicht jedem recht machen und ich will es auch nicht. Den Großteil all der potenziellen Aufträge da draußen möchte ich überhaupt nicht haben. Also muss ich den potenziellen Klienten dahinter auch nicht gefallen.

 

4. Wenn ich den Perfektionismus und die Stimme meiner Omi mal weit weg schiebe, wird mir klar, dass ich tatsächlich ne ganze Menge zu erzählen hab. Und dass ich nie rausfinden werde, ob es denn nun jemanden interessiert oder nicht, wenn ich es nicht veröffentliche. Krasse Erkenntnis, oder?

 

5. Ich zerbrech mir immer das Köpfchen, ob denn irgendein Thema für Blog oder Social eigentlich zu meinem Themengebiet passen würde. Die Zeit, die ich da mit Nachdenken verbringe, kann ich auch gleich ins Schreiben investieren.

 

 

Und jetzt wäre eigentlich der Moment gekommen, alles noch fünf Mal durchzulesen, das Konzept nochmal umzuarbeiten, an einzelnen Sätzen zu drehen und so weiter und so fort. Als wäre ein einziger Blogeintrag, den nach meiner Vorstellung ja eh niemand liest, sooo wichtig, dass er jetzt noch eine Stunde Aufmerksamkeit verdient hat.

Nix da. Pareto-Prinzip. Speichern und veröffentlichen.

 

(Einfach speichern und veröffentlichen? Is wie ne Mutprobe!)

 

EDIT: Nach zwei Tagen (in denen die Welt nicht untergegangen ist) ein paar Tippfehler korrigiert.


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