Masken vs. Schutzmasken

Zu Zeiten von Corona fehlt es überall an Schutzmasken. Also haben einige Leute angefangen, selbst Masken zu nähen. Manche machen sich damit die Taschen voll, andere wollen einfach nur irgendwie helfen. Unabhängig von den Motiven werden diese Leute gerade von irgendwelchen ›Abmahnanwälten‹ abgemahnt. Ich habe da eine umfassende Meinung zu und erkläre nochmal den Unterschied zwischen Masken und Schutzmasken.

 

 

Manch einer hat es mitbekommen: Ich schreibe derzeit wenig und nähe dafür ziemlich viel. Und zwar zur Abwechslung mal keine Spitzenfummel und Outdoor-Accessoires, sondern Masken. Warum? Weil mich jemand gefragt hat, ob ich welche für einen Pflegedienst nähen kann. Die Mädels vom Pflegedienst fahren jeden Tag zu zig Menschen. Sie helfen diesen Menschen beim Waschen und beim Anziehen. Sie geben Medikamente, messen Vitalfunktionen, wechseln Verbände und Windeln. Und gerade geht ihnen die Schutzausrüstung aus.

 

Jetzt geht es gar nicht mal vorrangig um Corona. Es geht darum, dass Menschen in Heil- und Pflegeberufen einfach keinen Abstand zu anderen halten können. Und Homeoffice können sie übrigens auch nicht machen. Und wenn sie keine Schutzmasken mehr bekommen, nehmen sie lieber eine Stoffmaske, die  vielleicht keine Viren, aber doch zumindest IRGENDWAS abhält. Zum Beispiel, damit sie ihrem Schützling, den sie gerade frisch machen, nicht in die wundgelegenen offenen Stellen am Hintern niesen.

 

Auch Privatpersonen decken sich derzeit mit Masken ein. Der allgemeine Tenor im Internet lautet, dass eine einfache Stoffmaske eher nicht vor einer Corona-Ansteckung schützt, Infizierte durch das Tragen aber womöglich ihre Umwelt vor einer Ansteckung schützen können. (Das ist nicht meine Meinung und keine Behauptung, sondern der Querschnitt aus dem, was Google zu dem Thema ausspuckt.) Und wir haben es mittlerweile alle mitbekommen: Man kann infiziert sein und das Virus übertragen ohne selbst Symptome zu spüren.

 

 

Warum Abmahnungen?

Bei diesen Abmahn-Geschichten (auch das ist der Querschnitt aus dem, was die Google-Recherche ergibt) geht es um die Bezeichnung der Masken. Grundlage einer Abmahnung sind Bezeichnungen wie Schutzmaske, Mundschutz, Atemschutz etc. – denn derlei Dinge sind in Deutschland geprüft und offiziell zertifiziert. Eine Maske, die nicht geprüft und zertifiziert ist, darf nicht als Schutz bezeichnet werden. Das sagt der Gesetzgeber.

Es ist gut, dass es solche Gesetze gibt – sonst wären wir wieder da, wo wir vor gut 1.000 Jahren waren, und könnten uns gegenseitig für viel Geld Eichhörnchenhoden als Schutz vor der Pest verkaufen.

Man könnte also sagen, diese ›Abmahnanwälte‹ meinen es nur gut, weil sie ahnungslose Bürger davor bewahren, auf die Scharlatanerie der Maskennäher reinzufallen.

 

Sortieren wir das mal kurz auseinander: Es gibt da draußen vielleicht Menschen, die ›selbstgenähten Atemschutz als ultimativen Schutz vor Corona‹ anbieten. Manche glauben vielleicht selbst an ihre Versprechen, andere haben die Sache mit dem Schutz und Corona vielleicht einfach nicht verstanden. Und ein kleiner Prozentsatz hat vielleicht böswillige Absichten und versucht aus der Not der anderen Profit zu schlagen.

Auf Ebay kostet die teuerste selbstgenähte Maske, die ich jetzt auf die Schnelle gefunden habe, 19,50 € – allerdings per Gebot, nicht per Festpreis. Und ja, das Teil wird als ›Mundschutz‹ verkauft (und ist nicht mal besonders gut genäht).

 

 

Gute Absichten

Also meint der ›Abmahnanwalt‹ es nur gut, wenn er jetzt gegen den Anbieter der Maske zu Felde zieht? Ich würde sagen, der hat jetzt zwei Möglichkeiten. Wenn er es gut meint, schreibt er dem Anbieter eine Nachricht und weist darauf hin, dass die Bezeichnung ›Mundschutz‹ gegen das Gesetz verstößt und deshalb geändert werden muss. Wenn es ihm gar nicht um gute Absichten, sondern um Profit geht, sendet er ein hässliches Abmahn-Schreiben.

Der Anbieter wiederum würde auf einen freundlichen Hinweis bei guten Absichten mit »Oh, sorry, das mit der Bezeichnung wusste ich nicht, ich ändere das sofort. Tausend Dank, dass Sie mich darauf hingewiesen haben!!« reagieren. Thema erledigt. Falls es dem Anbieter auch nur um Profit geht, wird er auf den freundlichen Hinweis anders (oder gar nicht) reagieren und dann wäre der richtige Zeitpunkt für eine Abmahnung gekommen, finde ich.

 

 

Ich kenne keine Fallgeschichte persönlich, ich lese auch nur die Storys von bösen Abmahnanwälten. Vielleicht haben sie es ja vor der Abmahnung wirklich freundlich mit einer netten Nachricht versucht?! Ich würde gerne mal die echten Geschichten von den Beteiligten hören und nicht nur das, was die Medien verbreiten. Sollte sich jemand angesprochen fühlen, bitte schreibt mir!

 

 

Anwälte, Konzerne, Markenrechte

Und jetzt nochmal an die, die nichts Besseres zu tun haben, als erstma ne Abmahnung zu verschicken und damit ihr Geld verdienen: Was seid ihr für Menschen?

Und, viel interessanter, was verdient ihr damit?

Ihr schlagt Profit aus dem Elend anderer. Findet ihr das gut?

Ja, wir verdienen alle unser Geld mit den Bedürfnissen der anderen; damit, dass sie bestimmte Güter und Dienstleistungen wollen; damit, dass ihr Auto nicht anspringt; damit, dass sie was essen wollen; damit, dass sie pflegebedürftig sind. Und jeder von uns braucht wiederum Geld, um sein Leben zu finanzieren. Ist alles so weit okay. Aber gezielt nach Opfern zu suchen, denen man wegen irgendeinem Firlefanz Abmahnungen schicken kann – das finde ich nicht okay.

Und wo wir gerade dabei sind: Das gilt auch für Konzerne, die Anwälte mit so einem Mist betrauen, weil irgendein Kleinunternehmer mit irgendwelchen allgemeinen Begriffen angeblich ihre Markenrechte verletzt. Bekanntester Fall ist wahrscheinlich die Jack Wolfskin Tatze: Der Outdoor-Konzern hat vor einigen Jahren erst die taz und dann Menschen, die halb-hobbymäßig Gegenstände mit Pfotenmustern vertreiben, ohne Vorwarnung abgemahnt. (Siehe z.B. Bericht im Spiegel hier.) Wegen Pfoten!! Ey, Jack Wolfskin, habt ihr das mit eurem Jahresumsatz 2018 von 334 Millionen Euro (laut Statista, hier klicken) echt nötig? Bezahlt ihr echt Leute dafür, dass sie sich um so einen Rotz kümmern? Solche Aktionen würde ich mitfinanzieren, wenn ich eure Produkte kaufen würde. Lieber wische ich mir in Zeiten von Klopapierknappheit den Hintern mit meinen Geldscheinen ab.

 

Noch ein Beispiel? Red Bull (Jahresumsatz 2018 laut Wikipedia 5,541 Milliarden Euro, hier klicken) beantragt eine einstweilige Verfügung, dass das Burger-Restaurant ›Guter Bulle‹ seinen Namen ändern muss. (Bericht hier) Echt jetzt, ich denke bei ›Guter Bulle‹ an nervenaufreibende Verhöre im Krimi – nicht an Energydrinks.

 

Hey, und mit solchen Geschichten halten die unsere Gerichte beschäftigt. Muss das sein??? Habt ihr das bei euren Umsätzen echt nötig oder findet ihr es einfach geil? Bitte erklärt's mir, ich versteh es nämlich nicht.

 

 

Maske vs. Schutzmaske

Jetzt aber nochmal zurück zum Thema. Schutzmasken sind geprüft und zertifiziert, zum Beispiel durch den TÜV oder durch CE-Kennzeichnung. Sie schützen unter anderem vor

• Viren und Bakterien

• Schleifstaub

• Rauch

• Giftgas.

Schutzmasken sehen zum Beispiel so aus:

Masken können vielleicht vor irgendwas schützen – vielleicht auch nicht. Sie werden zum Beispiel getragen von

• Maskenballbesuchern

• Bankräubern

• Menschen, die im Flugzeug schlafen wollen

• Maskenfetischisten

• Batman und seinen Freunden

• dem Mann in der eisernen Maske.

Masken sehen zum Beispiel so aus:

Klar so weit?

 

Also ich nähe und verschenke coole, stylische Masken, die Menschen als Fashion-Accessoire tragen können. (Klingt komisch? Dann mal bitte hier bei Promipool schauen, dort gibt es 13 Fashion Fails, die deutlich grässlicher als jede Maske aussehen.)

Sollte sich jetzt jemand berufen fühlen, meinen Webauftritt auseinanderzunehmen, nur zu. Fangt am besten bei der Datenschutzerklärung an, da findet sich bestimmt irgendwas. In diesem Artikel müsst ihr es nicht probieren; Bilder stammen von Pixabay, Links wurden am 3.4.2020 um 9:11 MESZ abgerufen.

 

Und wer jetzt auch geile Masken für Superhelden nähen möchte, findet hier Infos + Nähanleitung.


Und auch hier nochmal der Hinweis:

Sich irgendetwas, egal wie es heißt, über Mund und Nase zu ziehen, ist KEIN WIRKSAMER CORONA-SCHUTZ!

 

Haltet euch an die (lokalen) Regeln und Empfehlungen, zum Beispiel: regelmäßig gründlich Hände waschen, Abstand zu anderen halten, wenn möglich einfach zu Hause bleiben, Kontakte reduzieren.

 

Die Bestimmungen je Land / Bundesland / Landkreis etc. könnt ihr bei den entsprechenden Stellen online einsehen. Das RKI gibt hier allgemeine Empfehlungen, Fallzahlen etc. bekannt.

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