Eigene Texte korrigieren und verbessern in 5 Schritten

Du hast einen Text geschrieben – yeah! Im Idealfall kannst du jetzt auf jemanden zurückgreifen, der Unstimmigkeiten und Fehler findet, die du selbst nach dem Schreiben nicht mehr siehst. Textblindheit. Aber was tun, wenn niemand für die Korrektur zur Verfügung steht? Nicht verzagen – es ist sehr wohl möglich, die eigenen Texte zu korrigieren und das Werk im Alleingang zu verbessern. 

 

Ein fertig geschriebener Text ist noch lange nicht fertig – je wichtiger dir der Text ist, desto mehr Zeit solltest du in die Nacharbeit investieren. Leider neigen wir bei dem, was wir selbst geschrieben haben, zur Textblindheit: Tippfehler springen uns mit Karacho ins Gesicht, aber wir sehen sie einfach nicht. Was hilft gegen Textblindheit? Wie kannst du mehr aus den Texten machen, die du selbst geschrieben hast? Wie kriegst du sie fehlerfrei? Hier kommen 5 Schritte aus der Praxis:

 

1. Finde das passende Schreibprogramm!

 

Finde ein Schreibprogramm, das deine Konzentration auf den Text unterstützt.

Ich schreibe fast alle meine Texte zunächst unformatiert in einem Markdown-Editor namens MacDown. Der Name verrät’s: Es ist ein Mac-Programm. Ähnliche Editoren gibt es auch für Windows und Linux oder einfach Browser-basiert, zum Beispiel den Calmly Writer

Warum verwende ich einen Text-Editor? Ganz einfach: Sobald ich das Seitenlayout einer normalen Textverarbeitung sehe, konzentriere ich mich auf zu viele Dinge gleichzeitig. Die reinen Schreibprogramme lenken den Fokus auf den Text. 

Für mich der absolute Mega-Bonus: Man kann bei den meisten einen dunklen Hintergrund einstellen. Der Roh-Entwurf steht bei mir also Weiß auf Schwarz in einem kleinen Fenster, ich bin ganz beim Text und sehe die Worte klar vor mir. Die erste Korrekturrunde nehme ich jetzt vor. Tippfehler, Groß- und Kleinschreibung und dergleichen fallen dann schnell auf.

 

Schreiben ohne Firlefanz: MacDown
Schreiben ohne Firlefanz: MacDown

2. Hol dir technische Unterstützung!

 

Lass deinen Text von einer vernünftigen Software analysieren.

Für Vielschreiber lautet meine klare Empfehlung Papyrus Autor – definitiv das beste Schreibprogramm, aber mit 179 € kein Schnäppchen. Eine kostenlose Alternative für kurze Texte bietet das Textanalyse-Tool der Wortliga. Hier gibst du deinen Text ein und bekommst direkt Rückmeldung zu Stil und Lesbarkeit. 

Allerdings gilt für jede Software: Gehirn nicht ausschalten! Ein Programm prüft vorgegebene Punkte nach Schema F – es hat kein Sprachgefühl. Hilfreich ist es trotzdem, schon allein deswegen, weil es dich mit seinem automatisierten Feedback dazu bringt, dein Werk noch einmal zu überdenken. Du hast den Text geschrieben – natürlich verstehst du ihn! Wenn aber ein Programm sagt, dein Text sei nicht verständlich, werden ihn auch einige deiner Leser nicht verständlich finden. Also denk über das Urteil der künstlichen Intelligenz nach.

Tipp: Wenn dir die technische Unterstützung nicht reicht, scroll zum Ende des Artikels!

 

3. Komm zum Punkt!

 

Kopiere deinen Text in ein Schreibprogramm und kürze, was das Zeug hält.

Füllwörter, Adjektive, nutzlose Erklärungen, überflüssige Einleitungssätze – alles raus! Zunächst kommt es dir vielleicht komisch vor, das mühevoll zu Papier gebrachte so zurechtzustutzen; aber glaub mir, es hilft! Texte, die um den heißen Brei herumlabern, sind die Hölle für den Leser. Noch mal: Texte, die um den heißen Brei herumlabern, sind die Hölle für den Leser. Schreib dir das irgendwo hin.

Wir neigen alle dazu, unsere Texte sinnlos auszuschmücken – beim Schreiben und beim Reden. Vielleicht ist es ein Ego-Ding, vielleicht ist es Unsicherheit; ich weiß es nicht. So oder so ist es eine gute Idee, sich das Gelaber um den heißen Brei abzuerziehen. 

 

Praxis-Tipps: 

a) Drücke Dinge so einfach und konkret wie möglich aus; keine Synonyme, kein Amtsdeutsch. 

b) Streiche alle Adjektive und Adverbien, die nicht DRINGEND gebraucht werden. Nicht ersetzen, einfach weglassen.

c) Nimm jeden Satz unter die Lupe, der nicht mit einem Substantiv (bzw. Pronomen) oder Verb anfängt – ich wette, du kannst diese Sätze kürzer und besser ausdrücken.

Probier’s aus, nur zum Spaß.

 

4. Finde den roten Faden!

 

Geh weg von den Details und schau dir das große Ganze an.

Welche Absätze sind zu lang, welche sind zu kurz, wo könnte eine Zwischenüberschrift Wunder wirken? Bau den Text so, dass er gut aussieht und füge mindestens im Geiste für jeden Absatz eine Zwischenüberschrift ein. 

Gelingt es dir nicht, den Inhalt des Absatzes in einer Überschrift einzufangen, wird auch dein Leser nicht verstehen, worum es geht. Bau den Text um oder teile den Absatz auf. Am Ende sollte dein Text aus mehreren Passagen bestehen, deren Überschriften einen schönen roten Faden bilden.

Anmerkung: Nicht jeder neue Absatz braucht eine eigene Überschrift. Aber das Hirn des Lesers braucht sie. Entferne die Zwischenüberschriften, die dir überflüssig erscheinen.

 

Arbeite mit Absätzen und Zwischenüberschriften den roten Faden heraus!
Arbeite mit Absätzen und Zwischenüberschriften den roten Faden heraus!

5. Endspurt!

 

Mach den Laptop zu, leg den Text zur Seite und geh fünf Minuten an die frische Luft.

Jetzt kommt die eigentliche Korrektur dran. Wechsle eventuell deinen Arbeitsplatz, trag den Laptop vom Büro ins Wohnzimmer und mach dort weiter. Oder setz dich bei schönem Wetter raus. Tapetenwechsel. Du kannst den Text für die letzten Schritte auch ausdrucken oder in ein PDF konvertieren. So siehst du ihn noch mal mit neuen Augen.

Lies den gesamten Text durch, um Fehler im Satzbau zu finden und Kommas zu setzen. Falls du mit Kommas auf Kriegsfuß stehst, eigne dir die Regeln an. Sie sind nicht schwierig. 

 

Schule zusätzlich dein Gefühl für Sätze; Komma, Punkt, Semikolon, Doppelpunkt und Gedankenstrich passen immer dort, wo beim Sprechen des Textes eine Pause kommt – dieser Absatz ist eine gute Übung: Lies ihn dir laut vor und achte darauf, wo in der Sprachmelodie Pausen entstehen. Bei jeder dieser Pausen findest du ein Satzzeichen.

 

Du hast deinen Text jetzt so oft gelesen, dass du mit einiger Wahrscheinlichkeit alle Rechtschreibfehler gefunden hast. Noch unsicher? Dann lies entweder vom Ende zum Anfang jedes Wort einzeln (dauert ewig) oder von unten nach oben jede Zeile für sich. Du reißt die Wörter so aus ihrem Kontext und fokussierst dich stärker auf die Buchstaben. Dauert dir zu lang? Mir auch.

Tipp: Jetzt geht es nur noch um Rechtschreibfehler, da leisten auch die Rechtschreibprüfungen von Word, LibreOffice Writer und anderen Schreibprogrammen gute Dienste.

 

Geschafft! Du hast in 5 Schritten deinen eigenen Text korrigiert. Und jetzt ärgerst du dich vielleicht, weil die verfluchte Korrektur länger gedauert hat als das Schreiben selbst. Die schlechte Nachricht: Ja, ein guter Text braucht Zeit. Die gute Nachricht: Je öfter du dich so mit deinen Texten auseinandersetzt, desto schneller geht es.

 

Dieser Artikel soll dir ein mögliches Schema für das Verbessern eigener Texte an die Hand geben, der Fokus liegt auf dem Problem der Textblindheit. In weiteren Artikeln werde ich detaillierter auf die Frage eingehen, wie man den eigenen Schreibstil verbessern und richtig gute Texte schreiben kann. Denn ›Talent‹ ist nur ein Teil der Gleichung, der Rest ist ein Handwerk, das man lernen kann.

 

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